Gottesdienst zuhause

Hilfen zur Feier der Sonntage im Jahreskreis

Auch wenn es Ihnen nicht möglich ist, zur Kirche zu kommen und einen Gottesdienst zu besuchen, können Sie dennoch zuhause einen eigenen Gottesdienst alleine, in der Familie oder mit Freunden feiern. Auf dieser Seite finden Sie zu den Sonntagen Anregungen und Texte.

Dreifaltigkeitssonntag

 

Evangelium: Johannes 3, 16-18

Ein ganz normaler Abend auf dem Hamburger Hauptbahnhof: Ein Ort voller Selbstdarsteller, voll von Missionaren. Jugendliche, stilisiert als die große Gruppe der Antigesellschaft, gepierct, fantastisch bekleidet, mit einer eigenen Sprache, eigenen Verhaltensformen und Parolen. Dann die Leute von der Heilsarmee in ihren Uniformen. Die Damen in Leder und die jungen Erfolgreichen mit Krawatte und Handy. Alle sagen, wer sie sind und wer sie sein wollen. Sie werben für ihre Idee.

So lange Menschen etwas wollen, etwas lieben, Leidenschaften und Interessen haben, so lange stellen sie sich dar und führen sich auf. Farbe bekennen, sich zeigen, sich nicht verschweigen ist ein Grundbedürfnis. Man wird der, als der man sich zeigt. Man befestigt seine Absichten, indem man sie vorzeigt. Wer glaubt, wirbt für seinen Glauben. Er will missionieren.

Fulbert Steffensky

Lyrik

Wahrer Gott vom wahren Gott

wahre Liebe
sucht ein Gegenüber
das ihr auch entsprechen kann
nicht nur ein Spieltier
das man mit Namen nennt
und das doch keine Antwort gibt

Gott als Liebe
zeugt sein Ebenbild
das seinerseits ihn anschauen kann
kein totes Imitat
nicht Abklatsch noch Kopie
Original vielmehr vom Original

und selbst wir
als schattenhafter Abglanz
des einen Ebenbildes
tragen Gottes Züge
wenn wir lieben und
zugleich uns lieben lassen

Gebet

Deine Sorge, Vater, sei unsere Sorge und unsere Sorgen seien die Deinen.
Dein Leben, Jesus, sei unser Leben und unser Leben sei das Deine
Dein Geist, Liebe, sei unser Geist und unser Geist sei der Deine.

 

Fronleichnam

 

Du bist, was du isst.

Heute ist keine große Versammlung zum Gottesdienst auf dem Klosterplatz, heute zieht keine Prozession mit dem „Allerheiligsten“, dem Leib Christi, durch die Stadt, heute erneut seine Zusage bewusst werden lassen: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.  … auch in der eigenen Wohnung.

Kommen Sie wieder an einen Tisch zusammen und decken Sie ihn mit Brot und Wein: ein gehaltvolles leckeres Brot, dazu ein Messer zum Zerteilen; ein guter Wein (oder Traubensaft) in einer Karaffe und Gläser zum Ausschenken; die Bibel zum Lesen und Hören.

Lesen Sie das Evangelium von diesem Festtag: Johannes 6, 51 – 58;
laut, abschnittsweise mit wechselnden Personen; nochmal in Stille. Hinhören.

Impuls

Brot und Wein sind Symbole für unsere jetzige Lebenswirklichkeit, für das, was geschmackvoll ist und für das, was fad geworden ist. Brot und Wein stehen für das, was uns und andere nährt und stärkt, und für das, wonach wir und andere hungern und dürsten. Wenn wir Brot essen und Wein trinken, verbinden wir uns mit allem Lebendigen. Wir nehmen all das, was das Leben umfasst, in uns auf.

Jesus Christus wird als himmlische Speise beschrieben. Seine Lebenshingabe wird zur Lebenskraft für andere, sein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und sein Blut ist wahrhaft ein Trank. Seine Perspektive auf den Menschen und Gott, seine Liebe, Barmherzigkeit und Freiheit sollen uns in Fleisch und Blut übergehen. Wir werden in dieser Zeit zu denen, die durch IHN und mit IHM und in IHM das Leben umfassend leben.

Gottesdienst

Brot und Wein miteinander essen:

Brot und Wein sind in der Mitte auf dem Tisch. Nehmen Sie gedanklich andere Menschen mit an den Tisch, legen Sie Ihre Bitten für diese Menschen hinein in Brot und Wein. Bitten Sie für andere und sprechen Sie ihre Namen aus.

Reichen Sie einander die Hände und wünschen Sie sich den Frieden.

  1. Person, z.B. Mutter, nimmt das Brot in die Hände und betet:

Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, damit es uns das Brot des Lebens werde.

Alle: Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott.

  1. Person, z.B. Vater, nimmt die Karaffe mit Wein in die Hände und betet:

Gepriesen bist du Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns den Wein, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen diesen Wein vor dein Angesicht, damit er uns der Trank des Heiles werde.

Alle: Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott.

  1. Person (z.B. Mutter):

An dem Abend vor seinem Leiden, als Jesus mit seinen Jüngern am Tisch saß, nahm er das Brot, brach das Brot, reichte es seinen Jüngern und sprach: Nehmet und esset alle davon, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.

Das Brot wird geschnitten, jeder am Tisch bekommt ein Stück, und es wird gegessen.

  1. Person (z.B. Vater):

So nahm er nach dem Mahl den Wein, reichte ihn seinen Jüngern und sprach:

Nehmet und trinket alle davon, das ist der Trank des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.

Der Wein wird an alle ausgeschenkt und getrunken.

  1. Person, z.B. Tochter oder Sohn:

Lasst uns beten, wie Jesus uns zu beten lehrt.

Alle: Vater uns im Himmel …

Segen (Jeder Satz kann von einer anderen Person gesprochen werden.):

Gott segne und behüte uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Er wende uns sein Antlitz zu und schenke uns seinen Frieden. So segne uns der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Gehen wir unsere Wege in seinem Frieden.

Alle: Dank sei Gott, dem Herrn.

11. Sonntag im Jahreskreis

 

Evangelium: Mt 9,36-10,8

Beim Lesen des Evangeliums bin ich an einer Stelle besonders „hängen“ geblieben: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“

Was bedeutet es für mich, Arbeiter(in) zu sein? Nun – ich höre daraus: ‚Lass Dich mit Deiner Berufung von Gott in den Dienst nehmen!‘ Aber was ist meine ureigene Berufung? Vielleicht spürte der Theologe Romano Guardini genau dieser Frage nach, als er folgenden Text verfasste:

Heute Nacht, aber es war wohl morgens,
wenn die Träume kommen, wurde gesagt:
Wenn der Mensch geboren wird,
wird ihm ein Wort mitgegeben,
und es war wichtig, was gemeint war:
nicht nur eine Veranlagung, sondern ein Wort.
Das wird hineingesprochen in sein Wesen.
Alles, was dann im Gang der Jahre geschieht,
ist Auswirkung dieses Wortes, ist Erläuterung und Erfüllung.
Und es kommt alles darauf an, dass der Mensch es versteht
und mit ihm ins Einvernehmen kommt.

Romano Guardini

Gebet

Herr, du hast mich gerufen
und Sehnsucht nach dir geweckt.
Auf deinen Ruf habe ich mich eingelassen.

Ich teile mein Leben mit vielen Menschen;
gemeinsam sind wir auf dem Weg.
Ich danke dir für viele Begegnungen und staune,
wie du dich auch in unscheinbaren Ereignissen zeigst.

Du hilfst mir, meine Fähigkeiten zu entdecken,
zu entfalten und einzusetzen.
Du zeigst mir auch meine Grenzen.
Lass mich an diesen Erfahrungen wachsen
und hilf mir loszulassen, was mich dabei einengt.

Berufe mich immer wieder neu,
sende mir deinen Heiligen Geist,
damit ich an den Orten, zu denen du mich führst,
dein Evangelium lebe
und so dein Reich wachsen kann.

Sei du die Mitte meines Lebens.
Segne mich, damit ich zum Segen für andere werde.

Gotteslob 21,5

Fragen

Das „Wort“, das in mir ins Leben kommen will, ist meine ureigene Berufung, die ich von Gott „umsonst“ geschenkt bekommen habe – diese gilt es in all ihren Facetten immer wieder neu zu entdecken. Mir hilft es dabei, mir regelmäßig folgende Fragen zu stellen:

Was erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit? Wo bringe ich Frucht? Was spiegeln mir meine Mitmenschen?

Vielleicht nehmen Sie sich in dieser Woche einmal Zeit, diesen Fragen nachzugehen, um Ihrem „Wort“, Ihrer Berufung und Sendung auf die Spur zu kommen.

 

12. Sonntag im Jahreskreis

 

Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. (Mt 10,31)

Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

Matthäusevangelium 10,26-31

Gebet

Gott, gib Du mir den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, die Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann und auch die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr

Impuls

Angst essen Seele auf, so der Titel eines deutschen Melodrams des Regisseurs Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahre 1974. Angst ist nie ein guter Berater, weder die Angst vor dem Sterben, noch die Angst vor dem Leben! Auch davon handelt der Film. Angst und Furcht werden ebenso an zahlreichen Stellen der Bibel thematisiert, so wie im heutigen Evangelium. In unserem allgemeinen Sprachgebrauch werden beide Begriffe oft synonym verwand, sie sind allerdings voneinander zu scheiden, denn die Furcht hat einen realen Gegenstand (eine Spinne z.B.), die Angst dagegen nicht (z.B. vor etwas im Dunkeln). Beide Gefühlszustände können indes körperliche Reaktionen auslösen (vom Herzklopfen bis zu Panikattacken), aber – hier treffen sich die Heilige Schrift und das Drehbuch Fassbinders – sie nagen auch an der Seele! Ich weiß es nicht vom Spatzen, aber menschliches Leben ist ganz gewiss mehr, als seine bloßen Vitalfunktionen. Hauptsache gesund, ist daher ein sehr verständlicher Wunsch, aber eben nur die halbe Wahrheit. Eine übersteigerte Sorge um das eigene Leben kann eben genau dieses verhindern. In der Bibel geht es nicht um Geringschätzung, sondern um Wertschätzung des menschlichen Lebens und zwar in seiner Ganzheitlichkeit, sei es nun jung oder alt, stark oder schwach, gesund oder krank. Die Fülle des Lebens meint biblisch nicht besonders viel oder besonders groß oder besonders weit weg sondern tief; ein Ruhen in sich selbst und ein gelassener und aufrechter Blick in den Spiegel. Das ist ein entscheidender Wechsel des Akzents, nicht nur in Zeiten von Corona. Fürchtet euch also nicht und lasst Euch nicht bange machen! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

13. Sonntag im Jahreskreis

 

Jesus spricht: „Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“

Mt 10, 37-42

 Wo finde ich das Leben?
Wo finde ich Gott? 

Gebet

Freundliches Licht, um mich ist Finsternis:
Zeig du den Weg!
Zweifel in mir, die Zukunft ungewiss:
Zeig du den Weg,
nur einen Schritt! Ich frage nicht nach mehr.
So führ mich heim, und leuchte vor mir her.

Nicht immer hab ich so zu dir gefleht:
Zeig du den Weg!
Ich wählte selbst den Pfad, der abseits geht.
Zeig du den Weg.
Denn Stolz und Ängste hatten mich gelenkt.
Vergib: Ich habe Jahr um Jahr verschenkt.

Dein Segen blieb mir treu auch in der Nacht
und in Gefahr,
und hart am Abgrund hast du mich bewacht:
Nun seh ich klar.
Im Morgenglanz lacht mir dein Engel zu.
Mein Schmerz und meine Liebe, Gott, bist du.

John Henry Newman

Impuls

Offensichtlich

Zu einem Weisen kam einer und klagte:
Ich suche nun so viele Jahre nach Gott
und kann ihn nicht finden.
Der Weise sah ihn freundlich an und erzählte:
Es war einmal ein Mann namens Nasruddin.
Er ging immer hin und her über die Grenze,
an verschiedenen Stellen,
einmal mit einem Esel,
einmal auch mit zweien oder dreien.
Auf den Eseln transportierte er große Lasten Stroh.
Die Zöllner wussten,
dass er ein bekannter Schmuggler war,
und so durchsuchten sie ihn immer wieder,
stachen mit Stöcken in die Strohballen,
und manchmal verbrannten sie das Stroh
und suchten in der Asche nach dem,
was er schmuggelte.
Aber sie fanden nie etwas,
und Nasruddin wurde reicher und reicher.
Schließlich wurde er alt,
zog in ein anderes Land und setzte sich zur Ruhe.
Dort begegnete ihm einer der früheren Grenzwächter und sagte:
„Nasruddin, jetzt könnt Ihr es mir ja sagen.
Was habt Ihr geschmuggelt,
das wir nie gefunden haben?“
Nasruddin lächelte und antwortete:
„Esel!“
Siehst Du, sagte der Weise,
so sucht mancher nach Gott,
und Gott ist vor seinen Augen. 

Quelle: Andere Zeiten 3/2005

 

Peter und Paul

 

Evangelium: Matthäus 16, 13-19

Selbstverständlich gehen wir türkisch oder libanesisch essen.

Aber im Gespräch der Religionen sind wir erst am Anfang. Wie unterscheiden sie sich, wie können sie sich verständigen und was können sie zusammen tun?
Solche Fragen von heute beschäftigen die Christen aber  schon seit ihren Anfängen. Aus dem Judentum erwachsen, ist die frühe Jesus-Bewegung bald schon eigene Wege gegangen, ihrem Herrn und Gründer auf der Spur. Aber die Frage blieb, schlicht zugespitzt: Muss man, um Christ werden zu wollen, vorher Jude werden? Die ersten Christen waren ja alle Juden. Wie also mit Nicht-Juden umgehen in derselben Bewegung? Darüber kam es zwischen Petrus und Paulus, beides jüdisch-stämmige Christen, zum offenen Konflikt. …
Auf dem Apostelkonzil in Antiochien kommt es schließlich zum Kompromiss und ohne den gäbe es die eine Weltkirche in den vielen Kirchen nicht.
Wer Christ ist, braucht nicht vorher Jude zu werden. .
Die Sache mit dem lebendigen Gott und seinem Stellvertreter Jesus Christus geht alle Menschen an, und kann nicht auf einen kulturellen oder religiösen Raum beschränkt werden. 
Heute fragen z.B. asiatische Christen ähnlich wie Paulus damals: Müssen wir Inder oder Afrikaner, wenn wir Christen werden wollen, vorher Europäer werden?
Müssen wir erst Lateinisch und Griechisch lernen? Was Petrus und Paulus damals in einem offenen Konflikt mutig und mustergültig austrugen, das steht immer neu zur Debatte. Wir erleben derzeit, wie die über Jahrhunderte hin geprägte europäische Kirche an ihr Ende kommt. Erstmals erfüllt sich die Vision des Paulus konkret:
die bisher bloß europäische Kirche wird zur Weltkirche.

Gotthard Fuchs

Gebetshymnus

Immerfort
Auge in Auge
mit dieser Liebe
die alles sieht
doch übersieht
in Geduld,
was rechtens ist
doch nicht verurteilt
wenn unser Blick
spiegelt den ihren
in Demut.

Dag Hammarskjöld

Impuls

Nicht ideale Antworten stehen am Beginn der Berufungsgeschichten, sondern die persönlichen Antworten, mit Zittern und Zagen, einem Gefühl der Überforderung: zur Zeit der Heiligen Petrus und Paulus wie in unserer Zeit.

Manfred Kollig

JahreskreisAII