Prävention

Unter dem Leitwort “Augen auf – hinsehen & schützen” hat das Erzbistum Paderborn seine Bemühungen und Maßnahmen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt gestellt. Helfen Sie mit, aufmerksam auf die ihnen anvertrauten Menschen zu schauen und die Bemühungen zum Schutz vor sexualisierter Gewalt aktiv zu unterstützen.

Schutzkonzept zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt

In seinem Brief an alle katholischen Haushalte beschreibt Erzbischof Becker die Ergebnisse der MHG Studie: ‚Sexueller Missbrauch an Minderjährige durch Kleriker‘ als „erschreckend und beschämend“. Die Empfehlungen der Studie sind bereits bzw. werden in unserem Bistum Paderborn zeitnah umgesetzt. Die seit 2010 getroffenen umfangreichen Präventionsmaßnahmen werden weiter intensiviert.

Im Auftrag und mit Unterstützung unserer Diözese erstellt auch unser Pastoralverbund ein Schutzkonzept zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen. Darin werden konkrete Verhaltensregeln und Maßnahmen beschrieben, die die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen garantieren sollen. Dabei geht es uns darum, den uns anvertrauten Menschen mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen und sie vor jeder Art von körperlichem und seelischem Schaden, vor Missbrauch und Gewalt zu schützen.

Begleitet von Nico Schnittger vom BDKJ Paderborn hat sich eine Arbeitsgruppe – Frau Leonie Dopheide-Roggenbuck, Herr Claas Schmitz, Pfarrer Norbert Nacke, Frau Regina Beissel – gebildet. Herr Schmitz und Frau Beissel haben eine Weiterbildung „Präventionsfachkraft“ absolviert.

In einer Abendveranstaltung informierte Karl-Heinz Stahl, Präventionsbeauftragter zur Vorbeugung von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn, die Mitglieder der Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte über Inhalte und Ziele eines Schutzkonzepts und gab zudem einen ersten Einblick in Opferdynamiken und Täterstrategien.

In der bereits gestarteten „Risikoanalyse“ sollen mögliche Gefährdungen, aber auch die bereits etablierten Schutzfaktoren in den Blick genommen werden. So hat der Arbeitskreis einen Fragebogen konzipiert, der den Verantwortlichen in der Kinder- und Jugendarbeit sowie allen Kindern und Jugendlichen mit der Bitte um Mitarbeit zugestellt wird.

Das Schutzkonzept wird nach Fertigstellung auch online veröffentlicht.

Präventionsfachkräfte

Regina Beissel
Tel.: 0521 16398-435
Mail: beissel@kath-bi.de

Claas Schmitz
Tel.: 0521
Mail: claas.schmitz@kath-bi.de

Hilfe bei Missbrauch

Das Erzbistum Paderborn nimmt jeden konkreten Fall und jeden Verdachtsfall im Sinne der Leitlinien von sexuellem Missbrauch und sexualisierter Gewalt sehr ernst. Auf Der Internetseite des Bistums erhalten Sie Informationen zum Thema sexueller Missbrauch und sexualisierte Gewalt durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Erzdiözese Paderborn sowie im Verantwortungsbereich des Erzbistums, zum Beispiel in Kirchengemeinden oder der Kategorialseelsorge.

Weitere Infomationen finden Sie hier.

Gedanken zum Thema Missbrauch

Fast täglich ist in den Zeitungen vom sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche zu lesen. Fast täglich finden sich in den Briefkästen der Pfarrbüros Mitteilungen über vollzogene Kirchenaustritte. Fernsehberichte und Radiosendungen zu vielen Facetten des Themas sexueller Missbrauch in der Kirche und Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sind fast täglich zu hören und zu sehen. Die Deutschen Bischöfe haben sich in ihrer Frühjahrsvollversammlung 2019 in Lingen intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Letztlich sind die hohen Erwartungen, die im Vorfeld in den Medien formuliert worden sind, nicht erfüllt worden.

Missbrauch – es ist in dieser Zeit und Wirklichkeit von Kirche und Gesellschaft das prägende Element. So erlebe ich es fast täglich. In unseren Pfarrgemeinderäten und Gremien wird darüber gesprochen, oftmals ratlos, vielfach wütend. Die Initiative „Maria 2.0“, von Frauen im Bistum Münster ins Leben gerufen, hat ebenfalls das Thema Missbrauch deutlich artikuliert. Daher möchte ich hier einige Gedanken zu dieser besonderen Zeit der Kirche mit Ihnen allen teilen.

Zu allererst muss ich klar und deutlich sagen, dass es für den Missbrauch, den Priester, Ordensleute und andere Vertreterinnen und Vertreter der Kirche an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen begangen haben, keine Entschuldigung geben kann. Jeder einzelne Fall muss aufgearbeitet werden, die Täter müssen, sofern sie noch leben, durch Gerichte, staatlich und kirchlich, zur Rechenschaft gezogen werden, und den Opfern ist mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen und beizustehen. Die Anfänge dazu sind gemacht. Aber es sind eben nur Anfänge. Weitere und konkretere Schritte werden folgen, wobei nicht alles, was getan wird, zum Schutz der Opfer in der Öffentlichkeit im Detail benannt werden kann.

Die Anstrengungen in der Prävention von sexualisierter Gewalt sind ein weiterer wichtiger Baustein, damit Missbrauch in Gegenwart und Zukunft eingedämmt wird. In allen Kirchengemeinden wird ein Konzept erarbeitet, das zum sensiblen Hinsehen ermutigen soll. Damit soll das Verschweigen und Wegsehen der Vergangenheit und vielleicht auch der Gegenwart verhindert werden. Zum Ende des Jahres werden wir unser Konzept für den Pastoralverbund Bielefeld Mitte-Nord-West veröffentlichen.

In der derzeitigen Situation ist der Fokus besonders auf den sexuellen Missbrauch gerichtet. Es darf aber nicht vergessen werden, dass es noch viele andere Arten von Missbrauch gibt: der geistliche Missbrauch, bei dem Menschen durch fragwürdige „christliche“ Lehren unter Druck gesetzt werden, gehört ebenso wie der Missbrauch durch Drohung und verbale Gewalt dazu. Auch diese Formen gibt es in der Kirche und sie sind ebenso klar zu verurteilen.

Die Lösungen, die besonders im Hinblick auf den Missbrauch in der Kirche jetzt gefordert werden, Abschaffung des Zölibates, Priesterweihe für Frauen, letztlich Abschaffung der Kirchlichen Hierarchie scheinen mir eher abwegig zu sein. Sicherlich muss heute über die Sinnhaftigkeit des Pflichtzölibates der Priester gesprochen werden. Die Rolle der Frau in der Kirche bis hin zur Zulassung von Frauen zur Weihe muss neu gedacht werden. Kirche als reine „Männerwelt“ muss verändert werden in ein mehr und mehr gemeinsames verantwortliches Handeln und Leiten von Männern und Frauen. Ebenso müssen die Beratungswege und Beratungsstrukturen in der Kirche neu im Licht einer schneller werdenden Welt gedacht werden.

Das sind allerdings alles Themen, die unabhängig von der aktuellen Diskussion um den Missbrauch bedacht gehören. Sie sind „einfach dran“ in dieser Zeit. Für das Übel des Missbrauchs sind all diese Themen wohl keine primäre Lösung. Es gibt keine kurzfristigen Patentlösungen für den verantwortlichen Umgang mit dem Missbrauch in der Kirche. Sie zu fordern gleicht Stammtischparolen, die zwar viel beklatscht werden, die aber letztlich unlauter sind.

Die Gefahr von Missbrauch besteht in jedem Gemeinwesen, in jeder Organisation, die geprägt ist von hierarchischen Strukturen und den damit verbundenen Abhängigkeiten. Das beginnt in dem kleinen Gemeinwesen Familie und erstreckt sich über Vereine, Verbände und Firmen bis eben hin zur Kirche. Überall, wo Menschen von anderen abhängig sind, besteht die Grundgefahr des Missbrauchs. Jeder Missbrauch ist letztlich ein Missbrauch der eigenen Macht und der eigenen Stellung. Eine Lösung besteht eher darin, dass Menschen in ihrer Verantwortung an den unterschiedlichen Stellen der Gemeinwesen und der Organisationen gestärkt werden. Alle, die Leitung ausüben, alle, die in der Struktur über anderen stehen, müssen lernen, mit der Macht, die sie besitzen, in rechter Weise umzugehen. Die Persönlichkeit von Eltern, Lehren, Trainern und auch von Verantwortlichen in der Kirche muss geschult werden, damit Missbrauch verhindert wird. Es ist darauf zu achten, dass für Leitungsämter nur Personen infrage kommen, die eine solche Persönlichkeit aufweisen.

Ein Letztes scheint mir aber auch noch von besonderer Wichtigkeit zu sein. Im Lukasevangelium ist das Wort Jesu „Bei euch aber soll es nicht so sein“ überliefert (Lk 22,26a). Jesus spricht in dieser Textstelle vom richtigen Herrschen und vom richtigen Gebrauch der Macht. Die Kirche hat noch einmal eine größere Verantwortung im Umgang mit der anvertrauten Macht. Und deswegen darf sie auch nach anderen Maßstäben beurteilt werden. „Ihr aber nicht so!“, so scheint es mir aus dem griechischen Original noch treffender übersetzt zu sein, bedeutet, dass die Kirche eine beispielhafte Alternative leben darf und leben soll. Diese Alternative gilt es zu stärken und neu zu beleben. „Ihr aber nicht so!“ Es ist immer wieder neu eine Herausforderung für alle, für jede Christin, für jeden Christen und damit für die ganze Kirche.

Ihr

Norbert Nacke, Pfarrer

(Verfasst in der Fastenzeit 2019)

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